Im Gespräch: Mein künstlerischer Weg

Wann hast du gespürt, dass Kunst wirklich zu dir gehört?

Eigentlich war Kunst immer da. Besonders in meiner Kindheit. Selbstverständlich und nah. Später ist sie in den Hintergrund gerückt. Vor drei Jahren war ich für drei Monate in Kambodscha an einem sehr abgelegenen Ort. Urwald, ein Fluss in der Nähe und viel Zeit. Ich hatte ein Aquarell-Set dabei und begann, den Fluss, die Bäume zu malen. Und plötzlich wurde mir klar: Malen ist nicht nur ein Blick nach außen. Es ist eine Form von Begegnung. Mit dem Ort. Mit der Zeit. Mit dem jetzigen Moment.

Was hat dir das Malen dort gegeben, was dir vorher gefehlt hat?

Mein Alltag war lange geprägt von Verantwortung und Struktur. Fokussiert, routiniert, zielgerichtet. Doch unter all dem lag ein Gefühl, das sich nicht abschütteln ließ: dass etwas fehlt. Tiefe. Gegenwart. Ein inneres Ankommen. Kunst wurde für mich eine bewusste Auseinandersetzung und eine Entscheidung, zu bleiben. Dort, wo man sonst weitergeht. In der Hingabe an den jetzigen Moment wurde etwas in mir ruhig.

Was ist dein Spezialgebiet und warum hast du es gewählt?

Aquarell. Eine Technik, die anspruchsvoll ist und gerade deshalb ehrlich. Denn sie verlangt beides: Kontrolle und Loslassen. Manches lässt sich führen. Und manches nicht. Wasser findet seinen eigenen Weg. Für mich ist diese Spannung nicht nur ein Stilmittel, sondern eine Haltung. Sie erinnert daran, dass innere Freiheit nicht entsteht, wenn alles perfekt ist, sondern wenn wir dem, was ist, bewusst zustimmen.

Für wen machst du Kunst?

Meine Kunst ist für Menschen, die fühlen, dass Widerstände nicht nur Hindernisse sind, sondern Schwellen. Für jene, die sich nicht durch Härte verändern wollen, sondern durch Präsenz. Für Menschen, die bereit sind, dem Moment ein leises Ja zu geben. Auch dann, wenn er ungewohnt ist. Denn genau dort beginnt Wachstum. Und genau dort wird Stärke spürbar.

Welche Wirkung soll deine Kunst auf den Betrachter haben?
Das Schönste ist, wenn meine Kunst berührt. Wenn sie etwas öffnet. Eine Erinnerung. Ein Gefühl. Eine neue Weite.
Ich wünsche mir, dass du beim Betrachten ankommst. Dass du langsamer wirst. Dass du für einen Moment spürst: Ich bin hier.
Und dass genau daraus etwas entsteht, das bleibt: eine ruhige, gelassene Haltung gegenüber dem Unbekannten.
Mit offenen Armen.

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Was Kunstliebhaber über meine Werke sagen

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Meine Technik: Zwischen Chaos und Kontrolle